Das Gold liegt in den Prozessen
Internationale Experten aus Forschung und Unternehmen, Führungskräfte und andere Entscheider trafen sich in Berlin zur ARIS ProcessWorld vom 17.-18. Juni 2008. Kernthemen waren u. a. innovative Geschäftsprozess-Initiativen zu Enterprise BPM, Enterprise Architecture (EA), Business-Driven SOA oder Governance, Risk & Compliance Management. In dem begleitenden ARIS-Blog wird auch über die einzelnen Sessions berichtet.
Was kennzeichnet nun ein erfolgreiches Geschäftsprozessmanagement in einer großen Organisation, die ja üblicherweise von Organigrammen und Hierarchien lebt? Wie stellt man fest, dass die gelebten Prozesse effizient sind und den gewünschten Erfolg liefern?
Interessant fande ich das von Professor Michael Rosemann dargestellte Vorgehensmodell. Er empfiehlt zunächst den Reifegrad der Organisation im Umfeld des Prozessmanagements festzustellen. Häufig setzen Unternehmen schon unterschiedliche Methoden und Vorgehensmodelle auf den unterschiedlichen Ebenen (Einzelprojekte, einzelne Organisationsbereiche, etc.) ein. In folgenden Bereichen ist hierzu der aktuelle Stand zu erheben:
- Ist das Geschäftsprozessmanagement in der Unternehmensstrategie entsprechend verankert?
- Sind die Entscheidungsstrukturen im unternehmensweiten Prozessmanagement festgelegt und dokumentiert (Rollen, Verantwortlichkeiten, Entscheidungsstrukturen und Spielregeln)?
- Ist festgelegt nach welchen Methoden die Prozessmodellierung umgesetzt werden soll?
- Wie ist der Unterstützungsgrad des Prozessmanagements durch Informationstechnologie?
- Welche Fähigkeiten der Mitarbeiter sind in der Organisation vorhanden (Methodenkenntnisse, Service orientierte Architekturen, Moderationsfähigkeiten, etc.)?
- Ist die Organisationskultur für eine Prozessorientierung vorhanden (Bereitschaft und Fähigkeiten der Entscheidungsträger und Mitarbeiter)?
Wo steht die Organisation in diesen Bereichen? Welche Maßnahmen sind erforderlich, um die Lücken zur nächsten Reifegradstufe im Prozessmanagement zu erzielen? Was sind hieraus die strategischen Handlungsfelder für eine Prozessmanagementstrategie der nächsten 3-5 Jahre?
In vielen Vorträgen wurde auch die Etablierung eines zentralen Prozessoffice empfohlen, welches z.B. folgende Leistungen für die unterschiedlichen Fachbereiche erbringen sollte:
- Ermittlung und Bewertung des Reifegrades der Organisation im Prozessmanagement
- Mitarbeit bei der Erstellung der Strategieentwicklung im Bereich Geschäftsprozessmanagement
- Prozessmodellierung in Projekten
- Bibiotheksmanagement (einheitliche Namenskonvetionen und Objekte im Gesamtunternehmen)
- Empfehlungen für Prozessoptimierung und –automation
- Richtlinienprüfung und Auditierungsanforderungen in Prozessbereichen
- Analyse der Prozessperformance anhand von definierten Messkriterien
- Training von Mitarbeitern und Führungskräften im Prozessmanagement
- Projektleitung von Teilprojekten mit Schwerpunkt Prozessoptimierung
Erfolgreiche Organisationen orientieren sich zudem an folgenden Schlüsselfaktoren und Prinzipien:
- Etablieren von Standardprozessen so viel wie möglich
- Für jeden Prozess ist ein verantwortlicher Prozesseigner zu definieren
- Für jeden Prozess sind Messgrößen im Hinblick auf Zeit, Qualität, Kosten und Durchlaufanzahl zu erheben
- Vor einer Neugestaltung eines Prozesses ist eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vorzunehmen
- Im gesamten Unternehmen sind einheitliche Softwarewerkzeuge und Methoden vorzugeben
Professor Michael Rosemann im Interview mit ARIS WebTV
Das zeigt noch ein großes Potenzial für die klassische IT-Abteilung nun endlich aus dem Schneckenhäuschen der technischen Vokabeln herauszuschlüpfen, um gemeinsam mit den Fachbereichen über die Themen Prozess- und Architekturmanagement zu sprechen…














Audigier
04.08.2008
Das ist ein sehr schöner Blog und ein äußerst interessanter Artikel.