Die Prognose fürs Jahr 2008
28. December 2007
Was sagt man nicht alles über die Wetterpropheten oder diejenigen, die in die Glaskugeln schauen – erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…
Zum Jahreswechsel wage ich dennoch für die gute alte IT-Organisation einige Prognosen oder Vorhersagen, die meines Erachtens im Laufe des Jahres 2008 eintreten werden oder einen wachsenden Trend darstellen. Vielleicht hat ja jemand weitere oder gegenläufige Ideen und wir können am Ende des Jahres 2008 dann abrechnen…
Veränderungen in der IT-Organisation nehmen in 2008 drastisch zu:
- Standard-Infrastrukturservices werden zunehmend fremd vergeben.
Weltweite per Fernadministration verfügbare Standarddienste werden zunehmend in akzeptabler Form (wirtschaftlich sowie auch in der Servicequalität) angeboten. Ein Drittel aller eMail-Zugänge werden Ende 2008 extern bereitgestellt (Software as a Service, etc.). Service-Provider aus Indien wachsen hierbei überproportional und nehmen erstmalig einen Platz unter den 10 weltweit führenden Anbietern ein.
Die Anforderungen an einzuhaltende IT-Sicherheitsstandards bei diesen Fremdleistungen steigen kontinuierlich und dies kann gleichzeitig zu höheren Kosten oder Personalproblemen führen.
Für alle potenziellen internen IT-Leistungen stehen weiterhin nicht ausreichend qualifizierte IT-Beschäftigte zur Verfügung.
- Die strategischen Schwerpunkte verlagern sich auf die Themenbereiche Programm- und Portfoliomanagement, Unternehmensarchitektur, Business Intelligence und Web 2.0 Initiativen.
Kenntnisse in Projektmanagement werden zunehmend von allen Führungskräften erwartet. Die Priorisierung einzelner Projektideen im Hinblick auf die Umsetzung von Fachbereichs- oder Unternehmenszielen, die sinnvolle Bündelung von Einzelprojekten zu unternehmensweiten Veränderungsprogrammen und eine ausgewogene Prüfung und Erfolgskontrolle dieser Programme stehen zunehmend im Mittelpunkt des IT-Managements.
Organisationen, die sich hierbei stärker auf die standardisierte elektronische Umsetzung übergreifender Prozessketten konzentrieren sind erfolgreicher als die Organisationen, die weiterhin IT-Lösungen in funktionalen Silos einsetzen. Hierzu steigen die Anforderungen an Teams, die sich mit den Bebauungsplänen der Geschäftsprozesse und IT-Lösungen beschäftigen (Enterprise Architecture). Sie werden zukünftig mehr beraten und überzeugen, warum gemeinsam genutzte und wiederholt einsetzbare IT-Services für die Umsetzung von Geschäftszielen erfolgreich sind und benötigen dafür vermehrt soziale und fachliche Kompetenzen anstatt IT-Produktstandards mit Zwang vorzugeben und zu kontrollieren. Weiterhin wird sich der Fokus in 2008 vermehrt auf die sog. Informationsarchitektur (Organisation von Inhalten, Metadaten, gemeinsam genutzer Informationswelten) konzentrieren und nicht mehr vordergründig auf die technischen Architekturkomponenten.
Der Einsatz von Software rund um das Thema Business Intelligence nimmt weiterhin zu. Hierbei werden nicht nur wie bislang strukturierte Datenbestände, sondern auch zunehmend eMails, RSS-Feeds, Wiki- und Blogeinträge eingebunden und analysiert. Insbesondere integrierte Suchtechnologien werden eingesetzt. Zunehmend werden in diesen Bereichen auch Beschäftigte eingesetzt, die keine speziellen IT-Kenntnisse haben, sondern aus den einzelnen Fachbereichen stammen. Besonders erfolgreiche Unternehmen setzen hierzu gemischte Teams ein, die neben Fachbereichs- und IT-Expertise auch analytische Fähigkeiten aufweisen.
Jede große Organisation experimentiert mit neuen Web 2.0 Initiativen. Das Intranet wird um schnelle von Nutzern einfach bereitgestellte Inhalte erweitert. Werkzeuge für eine schnelle Zusammenarbeit ohne aufwendige Beantragung und IT-Installationen werden eingesetzt. Inhalte werden von Nutzern mit Schlagworten und Kommentaren bewertet. Diese stellen zunehmend eine bevorzugte Suchmethode dar. Der durchschnittliche Mitarbeiter arbeitet gleichzeitig in mindestens fünf ad-hoc Teams im Unternehmen. Ein Drittel dieser Mitarbeiter hat in diesen Teams auch Kontakt zu externen Beteiligten. Die von den Mitarbeitern am erfolgreichsten verwendeten Kommunikationsplattformen stammen hierbei aus dem Internet und nicht von im eigenen Netz betriebenen Softwareinstallationen.
In hierarchisch gewachsenen Organisationen gibt es in 2008 hier zunehmend kulturelle Widerstände. Die mit der neuen Art der Informationsbereitstellung verbundenen kulturellen Veränderungen in der Organisation stellen neben Fragen der Informationssicherheit die größte Herausforderung bei entsprechenden Initativen dar.
- Virtualisierung, ökologische Fragestellungen und das Apple iPhone erreichen die Unternehmens-IT
Die Virtualisierung von Servern und Clients nimmt in 2008 ständig zu. Die Virtualisierungslayer werden immer kleiner und Bestandteil der OEM-Hardware. Virtualisierte Softwarepakete verändert die Art und Weise traditioneller Installationsverfahren. Die Marktführer VMWare, Microsoft, Oracle und ZenSource stellen neue Hypervisortechnologien zur Verfügung. Diese stellen neue Anforderungen an bisher eingesetzte Managementwerkzeuge zur Verwaltung und Steuerung der IT-Infrastruktur. Bestehende Softwarelizenzverträge stehen auf dem Prüfstand bzw. werden vor diesem Hintergrund in 2008 neu verhandelt. Die bislang angefallenen Lizenzkosten verlagern sich zukünftig auf die Service- und Wartungsverträge mit entsprechend zu verhandelnden Konditionen und Rechten.
Bis 2012 sind Open-Source-Komponenten in 75% aller Software-Produkte integriert und Microsoft stellt sein Windows-Betriebssystem für Unternehmenskunden lizenzfrei zur Verfügung (allerdings werden bis dahin auch die Bedingungen für Unterstützung im Rahmen von sog. Software Assurance (SA) verändert und damit die Kosten entsprechend verlagert).
Die sog. Multicore Entwicklung geht weiter mit ständig steigenden Wärmeentwicklungen. Alle 18 Monate verdoppelt sich die Anzahl der Prozessoren in einem PC/Notebook. Multithreaded Softwareanwendungen und Entwicklungen steigen im nächsten Jahr, um von diesen Performance-Steigerungen überhaupt einen Effekt zu erzielen.
Öko-Gütesiegel, schadstoffarme Herstellungsprozesse und Recycling, neue Stromspar-Technologien für Rechenzentren und Standardarbeitsplätze halten in 2008 Einzug in die Unternehmens-IT. Sie werden Bestandteil der meisten öffentlichen Ausschreibungen und größeren Beschaffungsmaßnahmen.
Die Digitale Bildverarbeitung verfolgt uns überall. 82 % der mobilen Endgeräte (Handy, PDA, etc.) in Europa haben eine digitale Kamera. Vidoeüberwachungen nehmen weiter zu (Bahnhöfen, Flughäfen, öffentliche Plätze, etc.) mit wachsendem Bedarf an Speicherkapazitäten. Die Bearbeitungsmöglichkeiten von Videos (z.B. auch auf öffentlichen Plattformen) nehmen zu und damit nimmt auch gleichzeitig die Vertrauenswürdigkeit ab.
Das Apple iPhone wird zwar in 2008 noch nicht flächendeckend im Unternehmenseinsatz zu finden sein, dennoch werden erste Unternehmensanwendungen für die iPhone-Plattform entwickelt und auch eingesetzt. Gegen Ende 2008 wird Apple einer der TOP-5 Smartphone Lieferanten sein. Insgesamt wird die Nutzung mobiler Internetdienste, die IP-Telefonie und der Funknetzwerke (WiFi) in 2008 stark zunehmen.
Und nicht zuletzt…
Der Einfluss der Konsumenten auf die Unternehmens-IT nimmt ständig zu und hier insbesondere der wachsende Frauenanteil. Leistungsmerkmale sind nicht so entscheidend. Einfach zu bedienen, modernes Design und modisch müssen die Geräte sein. Also können wir uns auf wachsende Nachfrage nach stylischen Notebooks am Arbeitsplatz freuen…
Hier noch ein Video von New York Times Technik Autor David Pogue zum Thema einfache Technik und wie man durch ständige Überarbeitung von Softwarefunktionen auch mal ein Softwareprodukt ruinieren kann…
13 Kommentare zum Artikel
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einfach nur geil ja!
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also gegenläufige Ideen hätte ich jetzt nicht auf lager, aber warten wir ab, wir stehen ja noch am anfang 2008..
… auf bald Gerd
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Diesen Abschnitt finde ich am besten:
“Bis 2012 sind Open-Source-Komponenten in 75% aller Software-Produkte integriert und Microsoft stellt sein Windows-Betriebssystem für Unternehmenskunden lizenzfrei zur Verfügung (allerdings werden bis dahin auch die Bedingungen für Unterstützung im Rahmen von sog. Software Assurance (SA) verändert und damit die Kosten entsprechend verlagert).”
Viele Grüße und schöne Osterfeiertage
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Respekt, geiler Beitrag
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Nicht schlecht zusammengefasst!
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Zum Thena Frauenanteil: Da stand gestern ein geiler Artikel bei Shortnews zum Thema “Pink als Lockfarbe für weibliche IT-Kunden”. Also, diese Prognose stimmt.
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“das Apple iPhone erreichen die Unternehmens-IT”
Soso :)
Danach sieht es aber zur Halbzeit noch nicht wirklich aus, und ich glaube auch eher nicht, dass sich das im zweiten Halbjahr noch ändert. Aber einen schönes Spielzeug ist es weiterhin, auch wenn die Kosten für den Umstieg auf das neue Gerät weh getan haben.
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Lesenswerte Zusammenfassung :)
Gruß Jenny
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Ich kann mich nur anschließen, eine ausführliche Zusammenfassung, Respekt.
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Vielen Dank :)
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Sehr gut geschriebener Beitrag! grüße
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Wow, sehr gut geschrieben! Bin gespannt, ob die Vorhersagen für 2012 eintreffen werden.
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Referenzen
- Standardisierung und Konsolidierung... im Bereich der IT-Infrastruktur
- Multi-Projektmanagement... im Bereich des Projektmanagements
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Chris
12.01.2008
Respekt, geiler Beitrag
Grüße