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IT-Strategie – Was muss drin sein?

Kennen Sie nicht die regelmäßigen Formulierungen und Diskussionen im Zusammenhang mit dem Thema IT-Strategie:

  • Kaum aufgeschrieben, schon veraltet…
  • Steht bei mir im Schrank, schaut keiner drauf…
  • Das Tagesgeschäft überholt doch sowieso die tollen Grundsätze…

Warum sich also bemühen etwas aufs Papier zu bringen? Natürlich ist auch die Umsetzung entscheidend, denn was nützt die beste Strategie, wenn kein Prozess der Umsetzung und Überwachung den Wertbeitrag der IT-Strategie messbar macht. Sollte sich trotzdem jemand an die Arbeit machen und wie ich überzeugt sein, dass ohne dokumentierte IT-Strategie das Leben in großen Organisationen schwer fällt, stellen sich weitere Fragen.

Wie bringe ich das komplexe Thema auf 15-Seiten einer Managementfassung und auch noch so, dass andere Entscheidungsträger die ersten zwei Seiten überstehen und etwas damit anfangen können? Wie sollte der Aufbau des Dokumentes aussehen und was sollte inhaltlich enthalten sein?

Hier ein erster Versuch, die wesentlichen Überschriften und Inhalte eines Beispieldokumentes zu erarbeiten. Typisch im Rahmen eines IT-Strategie Dokumentes ist die Ausrichtung auf 3-5 Jahre mit einer jährlichen Überprüfung der Annahmen und Projektpriorisierungen. Die Formulierungen sollten in der Sprache der Führungsverantwortlichen der Kernbereiche in der Organisation geschrieben werden und keine "technischen Buzzwörter" enthalten. Spezielle Themenbereiche ( z.B. detaillierter Umsetzungsplan, Rahmenbedingungen der Informationsarchitektur, etc.) sollten in Anlagen bei Bedarf für spezielle Zielgruppen beigefügt werden.

  1. Zusammenfassung für Entscheidungsträger
  2. Leistung der IT zur Erreichung der Fachbereichsziele
  3. Prinzipien und Leitlinien des IT- Einsatzes
  4. Organisation, Steuerung und Finanzierungsmodell des IT- Einsatzes
  5. Übergreifende IT-Architektur und Anwendungsübersicht
  6. IT- Infrastruktur als erforderliche Basis
  7. IT-Service und Leistungsprozesse
  8. Intern und extern notwendige Umsetzungsressourcen
  9. Risiken im Umsetzungsprozess
  10. Anlagen

Wie soll dies nun auf etwa 15-Seiten gebracht werden? Welche Botschaften bzw. Inhalte sind zu den einzelnen Punkten darzulegen? Hier eine kurze Übersicht:

 

Zusammenfassung:

Länge: Halbe Seite

Zweck: Zusammenfassung der zentralen Handlungsfelder für Entscheidungsträger

Inhalt: Was sind die wesentlichen Leitaussagen in der IT-Strategie, die einen entscheidenden Wertbeitrag für alle Fachbereichsverantwortlichen darlegen?

 

Leistung der IT zur Erreichung der Fachbereichsziele:

Länge: Eine Seite

Zweck: Zusammenfassung der wesentlichen Fachbereichsziele und Darstellung des Zusammenhangs zu den in der IT-Strategie dargelegten strategischen Ausrichtungen.

Inhalt: Was sind die aktuellen Treiber in den einzelnen Fachbereichen (Ziele, Handlungsfelder und externe Faktoren)? Warum wurden die strategischen Ausrichtungen in der IT-Strategie so gewählt? Welche messbaren Kennzahlen können durch Umsetzung der strategischen IT-Handlungsfelder beeinflusst werden? Hier können Verweise zu den (soweit vorhandenen) dokumentierten Strategiedokumenten der Fachbereiche  aufgeführt werden.

 

Prinzipien und Leitlinien des IT- Einsatzes:

Länge: Eine Seite

Zweck: Darstellung von 5-10 zentralen Prinzipien, die als Ausrichtung für den täglichen IT-Einsatz und bei IT-Entscheidungen gelten sollten.

Inhalt: Die IT-Prinzipien sollten z.B. darlegen, wo schneller IT-Service notwendig ist, welche grundsätzlichen Organisationsprinzipien in der IT gelten, welche Grundsätze bei externen Dienstleistungen Anwendung finden oder welche Schlüsselkompetenzen bei den IT-Beschäftigten zukünftig erwartet werden. Entscheidend ist hierbei die Frage, ob diese Prinzipien speziell einen Wertbeitrag zu den spezifischen Fachbereichszielen liefern oder ob man diese auf jede IT-Organisation anwenden kann, da sie so allgemeingültig gehalten sind.

 

Organisation, Steuerung und Finanzierungsmodell des IT- Einsatzes

Länge: Zwei Seiten

Zweck: Erläuterung zu den wesentlichen Steuerungselementen wie IT-Entscheidungen in der Organisation getroffen werden und wer welche IT-Services finanziert.

Inhalt: Wer ist an welchen IT-Entscheidungen zu beteiligen und wer ist für die jeweilige Entscheidung verantwortlich? Dies sollte für die Bereiche Strategie, Investitionen, Projektmanagement, Architektur, Infrastruktur, Sicherheit und Risikomanagement aufgeführt werden. Daneben sollte das Finanzierungsmodell der IT-Leistungen beschrieben werden (Cost-Center, Profit-Center) und Aussagen zu verursachergerechten Verrechnungsmodellen für die Fachbereiche enthalten sein.

 

Übergreifende IT-Architektur und Anwendungsübersicht

Länge: Zwei Seiten

Zweck: Darstellung der wesentlichen Bausteine der IT-Architektur heute und der angestrebten Zielarchitektur, die für die Unterstützung der zukünftigen Kernaufgaben notwendig ist. Kurzübersicht der heutigen Anwendungslandschaft mit Ausrichtung auf die zukünftigen Veränderungen.

Inhalt: Wie sieht das heutige Anwendungsportfolio aus und wohin soll sich die zukünftige Anwendungslandschaft entwickeln? Hierbei sollten die Kernanwendungen zu einzelnen Prozessbereichen kurz dargestellt und über kleinere Anwendungen lediglich statistische Werte benannt werden. Hier können Verweise zu Anlagen der Informationsarchitektur, technische Architektur und Umsetzungsplan der Detailprojekte aufgeführt werden.

 

IT- Infrastruktur als erforderliche Basis

Länge: Zwei Seiten

Zweck: Zusammenfassung zu der Basis-Infrastruktur, einschließlich Verteilung, Kosten und Zukunftsfähigkeit.

Inhalt: Was sind die heutigen Bestandteile der IT-Infrastruktur und des Betriebes? Wie sollten sie verändert werden, um noch besser die Fachbereichsziele und kostengünstige IT-Services zu unterstützen? Wie skalierbar ist die Infrastruktur? Kann sie die absehbaren zukünftigen Anforderungen optimal unterstützen (Mobilität, Virtualisierung, etc.)? Wie steht die heutige Infrastruktur im Kostenvergleich dar (optimal wären hier Benchmarkingzahlen zu vergleichbaren Organisationen)?

 

IT-Service und Leistungsprozesse

Länge: Eine Seite

Zweck: Zusammenfassung der Initiativen, wie die IT-Serviceprozesse effektiv und effizient gestaltet werden können.

Inhalt: Nach welchen Modellen orientiert sich die Betriebsorganisation (ITIL, ISO 20000)? Welche Bereiche werden nicht nach Standardservices organisiert (z.B. aufgrund der spezifischen Fachbereichsziele)? Hier können Verweise zu Prozessdokumentationen z.B. Störungsbearbeitung oder Veränderungsmanagement aufgeführt werden.

 

Intern und extern notwendige Umsetzungsressourcen

Länge: Zwei Seiten

Zweck: Zusammenfassung der internen und externen Ressourcen, die zur Umsetzung der IT-Strategie notwendig sind.

Inhalt: Wer ist für die Umsetzung der strategischen Initiativen verantwortlich? Kann dies mit den heutigen Ressourcen umgesetzt werden? In welchem Umfang sind externe Dienstleister in welchen Bereichen erforderlich? Sind neue Schulungs-/Ausbildungsmaßnahmen für neue Fähigkeiten erforderlich? Wie könnte ein Finanzierungsplan (Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen) aussehen?

 

Risiken im Umsetzungsprozess

Länge: Zwei Seiten

Zweck: Erläuterung der wesentlichen Risiken, die mit der Umsetzung der IT-Strategie verbunden sind und Aussagen, wie mögliche Gegenmaßnahmen aussehen könnten.

Inhalt: Wie ist das IT-Risikomanagement organisiert und mit dem Risikomanagement der Gesamtorganisation verbunden? Wer ist für das tägliche Risikomanagement (Notfallplanung, Projektrisisken, etc.) verantwortlich? Wer führt die strategische Risioüberwachung mit den Fachbereichsverantwortlichen zusammen? Welche Abhängigkeiten bestehen (externe Dienstleister, Qualitätssicherungen, etc.)?

 

Anlagen

Länge: Halbe Seite

Zweck: Weitergehende Dokumente zu den einzelnen Themenbereichen der IT-Strategie.

Inhalt: Glossar der möglichst gering verwendeten Fachbegriffe. Wo findet man zu einzelnen Themen weiterführende Informationen?

Dies sind einige Beispiele, wie ein IT-Strategiedokument aufgebaut werden kann. Sicherlich ist das besondere Umfeld und die Kultur in der jeweiligen Führungsetage gesondert zu betrachten, sowie die spezifische aktuelle Ressourcenlage in der Organisation. Aber vielleicht ist es ja eine hilfreiche Diskussionsgrundlage…

Weitere Artikel zum Thema IT-Strategie mit anderen Beispielen finden Sie hier:


Der Artikel wurde am 24.11.2007 geschrieben und folgenden Kategorien zugeordnet: Allgemein, CEO, CIO, Strategie.
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7 Kommentare zum Artikel

  1. Kirsten

    13.01.2008

    Sehr interessante Aufstellung zum Thema IT Strategie. 15 Seiten sind aus technischer Sicht wie aus Marketing sicht kurz bemessen. Betrachtet man jedoch mit Investoren und Managern die Zielgruppe eines solchen Papieres, so ist es recht lang.
    Ich habe mir angewöhnt bei meinen Consulting Kunden Strategie Papiere so einfach und knapp wie möglich zu machen. Vielen Managern fehlt einfach die Zeit für Details, obwohl sie sich diese manchmal nehmen sollten.

    Gruss Kirsten

  1. Andreas

    14.01.2008

    Das mit der Zeit ist mir auch schon mal begegnet…

    Aus meiner Sicht ist es immer wieder eine Abwägung und natürlich von den jeweiligen Zielgruppen abhängig. Auf der anderen Seite wird eine IT-Strategie auch nicht monatlich vorgelegt. Je nach IT-Budget und Wettbewerbsfaktor sollte man sich als Entscheidungsträger schon die Zeit für die grundsätzliche Ausrichtung der IT nehmen. Ich glaube ein entscheidender Faktor neben der möglichen Seitenanzahl ist es, technische Vokabeln und Abkürzungen in dem Dokument zu vermeiden und die Sprache der Fachbereiche bzw. der Führungskräfte ohne technischem Hintergrund zu verwenden.

    Wie lautet ein Zitat von Albert Einstein dazu:
    ‘Man sollte alles so einfach wie möglich sehen – aber auch nicht einfacher’ …

    Viele Grüße

    Andreas

  1. Hallo,

    auch bei unserem kleinen Unternehmen konnten wir nun erfolgreich eine kompakte und vernünftige IT Strategie festlegen. Danke für die Anregungen und Hinweise.

    Gruss Beni

  1. ritchie

    20.10.2008

    Ich denke auch, dass Kürze eher dazu führt, dass zumindest das ganze Paper gelesen wird. Je nach Fachbereich ist auch ein Glossar sehr hilfreich, der IT-Fachtermine erklärt. Wird z.B. intern WordPress häufiger für solche Papers eingesetzt, kann man das mit einem automatischen Glossar recht elegant lösen.

  1. Trauersprüche

    04.02.2009

    Ohne passende und zielführende IT-Strategie ist ein IT-Unternehmen von vornherein schon zum Scheitern verurteilt.

    Wir in unserer Firma haben gemeinsam mit der Chef-Etage eine IT-Balanced Scorecard erstellt und geschaut, wie wir unsere Vision erreichen können, mit welcher Strategie, welche Kenngrößen brauchen wir dafür und wie können wir sie richtig messen. Diese Ausarbeitung der Balanced Scorecard hat uns zwar eine Monate intensive Arbeit gekostet, jedoch muss ich sagen, dass es unser Unternehmen in den Erfolg getrieben hat. Mit einer klaren Vision und einer richtigen IT-Strategie, wie wir unsere Ziele erreichen wollen, haben wir es geschafft, das Unternehmen voranzutreiben.

    Also ich denke, dass es viele Möglichkeiten gibt, eine gute und erfolgsversprechende IT-Strategie zu entwickeln. Und was den Punkt angeht, was diese beinhalten muss, gibt es sicher keinen strengen Richtlinien, denn sonst hätte unsere Umsetzung und Entwicklung ja auch nicht geklappt.

  1. Ruben

    08.02.2009

    Ich finde, dass kann man nicht nur von der IT-Branche sagen, denn auch jedes andere Unternehmen braucht einen vernünftigen Plan. Ohne einen guten Plan ist es nämlich überhaupt nicht möglich auf dem Markt in der heutigen Zeit Fuß zu fassen. Es ist echt schwer. Ich bin aber der Meinung, dass man das nicht so pauschal sehen darf auch nicht in der IT-Branche. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Plan entwickeln. Diese Seite ist zwar gut aber nicht auf jeden übertragbar.

  1. Wallsticker

    28.05.2009

    Eine sehr gute Zusammenfassung. Ich habe eine Ausbildung als It-Systemkaufmann gemacht. Leider lernt man da nicht direkt die Feinheiten. Was auf jeden Fall wichtig ist:
    Ein gutes Konzept!
    Die Planung und Durchführung.

    Was oft vielen sehr schwer fällt ist aber die Umsetzung. Daher gilt:
    “Immer am Ball bleiben”!

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